Kategorie: Schmökern, Staunen, Schmunzeln, Schwelgen

Komfortabel Fortschritte machen

Ein kleines 2600 Seelen Dorf im nördlichen Ungarn lieferte den Begriff, der heute in der modernen Lernwelt nicht mehr wegzudenken ist: Das Coaching.

Dabei wollten einige guten Wagenbauer in dem Örtchen Kocs doch nur bequemere, will heißen abgefederte Kutschen bauen. Diese waren dann auch für die damaligen Reiseverhältnisse so entspannend, dass diese stoßgedämpften Reisewägen ihren Siegeszug durch ganz Europa antraten. Es sollte dann allerdings noch geraume Zeit dauern, bis englische Studenten ab der Mitte des 19. Jh. ihre Tutoren an der Universität mit dem Spitznamen „coach“ bedachten. Schon kurze Zeit später, so um das Jahr 1880, setzte sich dann dieser Begriff auch im Sport endgültig durch und heute benutzen wir das Wort Coach genauso häufig wie den Begriff Trainer.

Coach “ ist heute ebenfalls noch immer das englische Wort für “ Reisebus “ und ob tatsächlich oder im übertragenen Sinne, ein Coach scheint ein probates Mittel zu sein, um erfolgreich, schnell und zuverlässig an sein gewähltes Ziel zu kommen.

Fabelhaftes

Eine Fabel definiert sich im Allgemeinen als eine Geschichte, in welcher Tiere typisch menschliche Charaktereigenschaften innehaben und gemäß diesen in unterschiedlichen Situationen oft überzeichnet agieren. Die Fabelgeschichte endet in der Regel mit einer Lebensweisheit oder einer moralischen Lehre für ihren Leser.

Allgemein gilt der griechische Poet Aesop aus Delphi, der um 600 v.Chr. gelebt haben soll, als Vater der Fabel, eine seiner bekanntesten Geschichten ist auch heute noch die “ Vom Fuchs und dem Raben „.

Auch Bildung, Wissen, und Schlauheit und ihre Gegenspieler Unwissenheit, Dummheit und Naivität sind typische Themen , die immer wieder in Fabeln behandelt werden. Über Jahrhunderte wurden diese Eigenschaften auf immer wieder die gleichen Tiere übertragen, sodass diese heute praktisch untrennbar mit diesen Merkmalen assoziiert werden.

Luchs und Fuchs gelten als schlau und raffiniert, die Eule als klug und allwissend, der Adler als intelligent, die Schlange als weise und der Storch als gelehrt. Nicht so gut ergeht es der Henne und der Krähe, die in den Fabelgeschichten klassischerweise die Einfalt und Leichtgläubigkeit repräsentieren müssen. Noch schlechter kommen die Ente, der Esel und der Rabe davon, sie stehen nämlich meist für große Naivität und ausgeprägte Dummheit.

Doch alle halten sie mit ihrem Gebaren uns Menschen einen Spiegel vor und beweisen mit ihren Missgeschicken, dass Dummheit und Unwissen seit Anfang der Zeiten mit Spott, Häme und Unglück, Wissen aber mit Erfolg, Glück und Belohnung einhergehen.

Unverständlich, aber treu bis zum Schluss

Alfred Nobel, der Vater des Dynamits, war nicht nur ein genialer Tüftler und Erfinder, der im Laufe seines Lebens unglaubliche 355 Patente anmeldete. Er war auch ein eifriger und fleißiger Fremdsprachenlerner und beherrschte schließlich 6 verschiedene Sprachen: Schwedisch, seine Muttersprache, aber dann auch Russisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch. Zudem verfasste er in seinem letzten Lebensjahr ein Theaterstück mit dem Titel „Nemesis“, welches jedoch wegen seines für damalige Verhältnisse als skandalös empfundenen Inhalts kaum Beachtung fand.

Obwohl in unterschiedlichen Ländern zeitweise zuhause, verbrachte Nobel seine letzten Lebensjahre in seiner ligurischen Villa an der Blumenriviera in San Remo, wo er ebenfalls noch ein kleines Labor betrieb. Die Villa Nobel und ihr Garten stehen heute als Museum interessierten Besuchern zur Besichtigung offen.

Dort war es auch, wo der Erfinder Mitte Dezember 1898 eine Gehirnblutung erlitt und an dieser verstarb. Er wurde nur 63 Jahre alt. In seinen letzten Lebensstunden war es Nobel nur noch möglich, sich in seiner Muttersprache Schwedisch verständlich zu machen, die einzige seiner 6 Sprachen, zu der er noch einen Zugang fand. Dies war jedoch umso tragischer für ihn, da er in diesen Stunden nur von einigen wenigen italienischen Hausangestellten umgeben war, für die seine Worte völlig unverständlich klangen und die daher nicht herausfinden konnten, was er wollte oder ihnen mitzuteilen versuchte. Er starb in seiner Villa am 10.12.1898.

Der Nobelpreis wird jährlich gemäß seines Vermächtnisses an Menschen vergeben, die “ auf ihrem Gebiet den größten Beitrag zum Wohle der Menschheit geleistet haben.“ Bis zum Jahr 2020 erhielten insgesamt 782 Männer und 56 Frauen diese Auszeichnung.

Lingua materna, Muttersprache, mother tongue, la langue maternelle, la lingua madre, fest verankert in uns wie unsere Zunge, treu bis zum Schluss , aber für Alfred Nobels letzte Weggefährten ein unüberwindliches Hindernis, ihm auf seinem letzten irdischen Weg eine verständnisvolle Begleitung zu sein.

Eulen nach Athen tragen

Das typische für Weisheit und Klugheit stehende Tier ist die Eule.

Dies mag zum einen damit zusammenhängen, dass sie mit ihren überproportional großen Augen auch in der Dunkelheit den Scharfblick behält, und das ist natürlich gut so, denn in der Nacht muss die Eule ja schließlich jagen.

Zum anderen ist sie natürlich in der antiken Mythologie die ständige Begleiterin der Schutzgöttin der griechischen Hauptstadt, Pallas Athene. Und diese Dame wiederum war als Lieblingstochter des Göttervaters Zeus für die bereits vor über 2000 Jahren besonders geachteten und angesehenen Bereiche Weisheit, Verstand und Erkenntnis zuständig.

Schon bei ihrer Geburt soll sie übrigens Furore gemacht haben, entsprang die Göttin doch bereits fix und fertig entwickelt dem Kopf ihres Vaters.

Eulen nach Athen zu tragen ist also hinfällig, will bedeuten, dass irgendwelche sinnlosen und komplett überflüssigen Handlungen Schwachsinn sind. Und im Übrigen gibt es in Griechenland wirklich Eulen genug, schaut Euch doch bei Gelegenheit einmal die Rückseite einer griechischen Euromünze etwas genauer an….

Kaugummi macht klugen Kopf ?

Hartnäckig will sich die Behauptung durchsetzen, dass das Kaugummikauen beim Lernen unsere Gedächtnisleistung signifikant verbessern soll, und dies sogar bis zu 35%. Mehrere immer wieder zitierte Studien führten sogar dazu, dass einzelne Schulen ihren Schülern das Kauen nicht nur explizit während des Unterrichts erlauben, sondern die Kinder auch dazu anhalten, sich in der Schule an den kostenlos angebotenen Kaugummis zu bedienen.

Ich habe zu diesem Thema einen interessanten Artikel in der Badischen Zeitung vom 22.8.2016 gefunden, der Name der Autorin ist C. Füßler. Dort wird deutlich dargestellt, dass diese Theorie ein komplettes Ammenmärchen ist. Nur, weil etwas Falsches wieder und wieder behauptet und wiederholt wird, klingt es zwar irgendwann einmal nach Wahrheit, muss diese aber noch lange nicht sein.

Alle sog. Studien, die zu diesem Thema zitiert werden, stellten sich bei genauerer Betrachtung als unseriös oder nicht nach anerkannten wissenschaftlichen Standards durchgeführt heraus. Viele dieser „Untersuchungen“ wurden zudem von der Wrigley’s Company mit finanziert, da kommt doch der Verdacht auf, dass das Ergebnis vielleicht im Vorhinein schon fest stand.

Da hilft nur noch der markante Befund des Marburger Psychologieprofessors Detlef H. Dost, der auch in der Hochbegabtenforschung tätig ist: “ Das ist alles dummes Zeug! “

( Bad. Zeitg. 22.8.2016 )

Aus Sitzenbleibern werden Nobelpreisträger ??

Sicher habt Ihr auch schön erzählt bekommen, dass schlechte Leistungen in der Schule ja nicht sooo dramatisch sind, schließlich, und jetzt kommt das Totschlagargument, wäre Einstein ja auch ein Mal sitzengeblieben.

Na ja, fehlt aber trotzdem der Beweis, dass aus Sitzenbleibern im späteren Leben massenweise Nobelpreisträger geworden wären……

Aber wie verhält es sich jetzt tatsächlich mit dieser Einstein Legende? Der junge Albert hatte tatsächlich Probleme an seinem Münchner Gymnasium……., diese bezogen sich jedoch nicht auf seine Schulleistungen, er rebellierte lediglich gegen das autoritäre Verhalten seiner Lehrer und den dort vorhandenen Drill. Auch der erwachsene Einstein machte in späteren Jahren immer wieder klar, dass er von sog. „Autoritäten“ und „Etablierten“ nicht allzu viel hielt.

Tatsache ist jedoch: Einstein hatte in der Schule immer herausragende Noten, vor allem in den Naturwissenschaften. Dass er das Gymnasium ohne Abschluss verließ, ist allein dem Umstand geschuldet, dass seine Familie aus wirtschaftlichen Gründen nach Italien gezogen war und er seinen Eltern folgte. Er war zunächst allein in München zurück geblieben, hatte aber dort die Einsamkeit nicht länger ausgehalten.

Ja, er fiel 1895 durch die Aufnahmeprüfung am Polytechnikum in Zürich, statt der obligatorischen 18 Jahre hatte er diese im Alter von 16 und ohne Abitur versucht. Die Reifeprüfung holte er dann in der Schweiz nach, in Aarau, und sein Abschlusszeugnis strotzte tatsächlich vor 5ern und 6ern. Kennt man jedoch das Schweizer Schulsystem, weiß man, dass dort eine „6“ die schulische Bestnote darstellt, eine „5“ dann unserem „gut“ entspricht etc.etc. Die Eidgenossen machen es halt gerade anders herum als wir! Albert Einstein war also ein hervorragender Schüler was seine Leistungen anbelangte, und dies änderte sich auch nicht, als er später sein Studium absolvierte. Allein sein Biograph hätte etwas besser recherchieren müssen, aber in Folge wäre dann die Welt um eine vergnügliche Legende ärmer….

Bildungsurlaub, Bildungsfreistellung, Bildungszeit

Diese Möglichkeit gibt es als gesetzliche Regelung für Arbeitnehmer und Beamte in immerhin 14 unserer 16 Bundesländer , keinen Anspruch auf dieses Angebot haben leider die Bayern und Sachsen…..

Vollzeitbeschäftigte erhalten auf Antrag ( beim Arbeitgeber ) 5 bezahlte extra Tage im Jahr, in denen sie eine berufliche oder politische Weiterbildung machen können. Die Kosten für den gebuchten Kurs und auch die Unterkunft muss aus eigener Tache bezahlt werden, aber immerhin ist man ja vom Betrieb freigestellt und das Gehalt läuft durch….

Wird diese jährliche Auszeit nicht in Anspruch genommen, darf man im nächsten Kalenderjahr sogar 2 Wochen beantragen, im 3. Jahr allerdings verfallen diese zusätzlichen Tage . Die Fortbildung sollte wie gesagt im weitesten Sinne dem beruflichen Kontext dienen, Klassiker sind vor allen Dingen Fremdsprachenkurse, IT Schulungen oder vielfältige Angebote, die der Gesundheit und Resilienz dienen. 5 Tage Kloster, ein Yoga Retreat, der Gleitschirmkurs oder ähnliches sind dabei durchaus anerkennungsfähig. Die Bildungseinrichtung muss grundsätzlich zertifiziert sein, anschließend reicht eine von ihr ausgestellte Teilnahmebescheinigung, die dem Chef vorgelegt wird. Besonders beliebt sind solche Kurse natürlich auch im Ausland, ein Kursort am Meer im Sommer zum Beispiel besitzt natürlich seinen besonderen Reiz.

Wenn Euch diese Idee und konkrete Angebote weiter interessieren: Einfach mal im Netz surfen, zum Beispiel auf: Bildungsurlaub.de

Sich auf den Hosenboden setzen

Kürzlich stieß ich auf eine These, welche mich aufhorchen ließ:

Fleiß schlägt Talent!

Eine spannende Behauptung, wie ich finde, welche so manch praktischen Entschuldigungsversuch für bescheidene Leistungen zunichte macht. „Ich habe kein Talent für Fremdsprachen“, „Ich bin halt eher naturwissenschaftlich begabt“, “ Ich habe Mathe eh noch nie kapiert“, „Mein Vater hatte auch Probleme mit Mathe in der Schule“…,ich glaube, fast jeder von uns hat solch eine Äußerung bereits einmal gehört oder sich ihrer schon einmal selbst bedient. Dramatisch wird dieser Satz dann, wenn wir ihn von Menschen hören, welche wir als Experten ansehen, wenn z.B. unser Lehrer äußert: “ Du bist halt fremdsprachlich nicht begabt!“

Fleiß schlägt Talent!

Was ich zu diesem Satz fand, ist nicht nur super spannend, sondern stellt fast unser Weltbild auf den Kopf:

Zurückzuführen ist diese Behauptung auf eine Studie der Berliner Hochschule für Künste, welche herausfand, , dass Studenten ohne besondere musikalische Begabung, die jedoch fleißig ihr Instrument geübt hatten, tatsächlich professionelle Konzertmusiker geworden waren. Auf der anderen Seite schafften es Studierende, welchen ausdrücklich ein musikalisches Talent attestiert worden war, die jedoch nicht besonders übten, diesen Sprung nicht. ( www.focus.de,18.1.2009)

Und da der Begriff „fleißig“ natürlich äußerst subjektiv und schwammig ist, wurde parallel gleich eine Definition mitgeliefert: „Fleißig üben ohne besonderes Talent für eine Sache entspricht einer Übungszeit von ca. 10 000 Stunden.

Beim Recherchieren stieß ich auf den Kanadier Malcolm Gladwell und sein Experiment: Malcolm hing seinen Job als Journalist an den Nagel, um in einem Selbstversuch die obige Behauptung zu verifizieren. Er versuchte, innerhalb von 10 000 Übungsstunden ein professioneller Golfspieler zu werden, obwohl er mit Golf bis zum Beginn seiner Challenge absolut nichts am Hut hatte. Es gelang ihm bereits, erste kleinere Turniere zu gewinnen. Auf seiner Webseite “ the danplan.com fand man unter anderem auch einen Countdownzähler, wie viele der 10 000 Stunden er bereits mit seinem Golftraining hinter sich gebracht hatte.

Zudem fielen mir natürlich gleich auch die alten, jedem bekannten Sprüche ein: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen…, „Übung macht den Meister!“

Training und Übung bedeuten in diesem Zusammenhang natürlich aber intelligentes Training und intelligentes Üben. Es nützt natürlich nichts, wenn ich stundenlang eine Melodie auf dem Klavier immer wieder fehlerhaft hintereinander spiele.

Der Psychologieprofessor K. Anders Ericsson, welcher an der Florida State University zu menschlichem Leistungsvermögen forscht, bestätigt die „Fleiß schlägt Talent“ Theorie ebenfalls vollumfänglich .

Zu guter Letzt: 10 000 Stunden Training ist die Vorgabe, um ein professioneller Musiker, Sportler oder Mathematikprofessor zu werden. Ich glaube, ein Bruchteil dieser Stundenzahl ist völlig ausreichend, um eine anstehende Mathe-oder Fremdsprachenklausur in der Schule brillant zu meistern. Vorher aber muss natürlich unsere alte Programmierung in unserem Kopf, dass wir schlicht und ergreifend keine Begabung auf einem Gebiet haben und deswegen hier auch nur bescheidene Leistungen erzielen können, dauerhaft und ganz schnell deinstalliert werden.

Bill Gates investiert

Was kauft sich ein Mensch, der sich buchstäblich die Welt leisten kann? Was kann einem Mann, der ein geschätztes Vermögen von fast 110 Milliarden Dollar sein eigen nennt, noch Leidenschaft entfachen? Die Antwort ist einfach und liegt ( fast ) auf der Hand: Ein Buch.

1994 erstand Bill Gates eine 72 – seitige Blättersammlung für 30 Millionen Dollar, die heute unter dem Namen Codex Leicester bekannt ist. Sein Verfasser ist dabei kein Geringerer als der Meister der Mona Lisa, Leonardo da Vinci (1452 – 1519 ). Das besagte Büchlein diente dem Genie dabei als Notizbuch, in ihm hielt er viele seiner Anmerkungen, Gedanken, Theorien und auch Skizzen zu zahlreichen Naturphänomenen fest.

Jedem sein Notebook…